Warum Lachen und Gähnen ansteckend sind.

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum sich spontan Ihr Kiefer weit öffnet, wenn Sie jemanden beim Gähnen zusehen? Oder wieso sich Ihre Stimmung plötzlich aufhellt, wenn das Gegenüber lacht? Oder warum Sie sich scheinbar willkürlich im Stuhl zurücklehnen und die Hände hinter dem Kopf falten, wenn kurz zuvor Ihr Gesprächspartner dieselbe Stellung eingenommen hat? Sie können unbesorgt sein, dies sind keine Nachahmungsversuche die Sie bewusst steuern.

Die Erklärung dieser Phänomene liegt viel mehr in der Existenz der Spiegelneuronen. Spiegelneu­ronen sind Zellen in unserem Gehirn, die uns intuitiv auf den emotionalen oder körperlichen Zustand eines anderen Menschen einschwingen und ihn kopieren (oder eben spiegeln) lassen. Ohne Spiegel­neuronen gäbe es keine Intuition und keine Empathie, beides wichtige Voraussetzungen für das spontane Verstehen und Vertrauen zwischen Menschen. Spiegelneuronen sind sogenannte intelligente Nervenzellen, die eine Handlung steuern können. Sie können ein bestimmtes Handlungs­programm auslösen; sie können aber auch dann aktiv werden, wenn man lediglich beobachtet, wie ein anderes Individuum dieses Programm in die Tat umsetzt. Die Ansteckungsgefahr, der man dabei unterliegen kann, besteht für Stimmungen, Gefühle und Körperhaltungen. Der Wunsch, das gut zu finden, was andere gut finden hat seinen Grund im neuro-biologischen Urbedürfnis nach Verbleib innerhalb der schützenden sozialen Identität (wie z.B. Gruppendynamik, gesellschaftliche Trends etc.).

Neben einer sogenannt angemessenen Aktivität der Spiegelneuronen, kann ein Mensch auch über zu hohe oder zu tiefe Aktivität der Spiegelzellen verfügen. Wie so vieles entscheidet sich auch dies schon in der frühen Kindheit; denn die Spiegelneuronen wollen von Geburt an trainiert werden. Die Herausforderung liegt darin, dem Verführungspotenzial der Spiegelung im Alltag manchmal auch widerstehen zu können. Dabei geht es darum, für sich die Wahlmöglichkeit aufrechtzu­erhalten. So kann man auf die von aussen kommenden Stimuli mit entsprechender Spiegelung des Gegenübers eingehen oder sich dem bewusst widersetzen und nicht spiegeln. Wer zu viel spiegelt, verliert im Auge des Gegenübers seine eigenständige Identität. Wer zu selten spiegelt nimmt für das Gegenüber autistische Züge an.

Beobachten Sie doch mal wie Ihre Spiegelneuronen intuitiv spielen in den alltäglichen Begegnungen mit Ihren Mitmenschen. Und dann lassen Sie sie mal sprudeln und dann zügeln Sie sie auch wieder und schauen was passiert…

Buchtipp: Bauer, J. (2005): Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Verlag Hoffmann und Campe. Buch bei Amazon finden.
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