Schützen Sie sich vor Grenzüberschreitungen!

Wir alle haben unseren persönlichen Raum, der durch unsere persönlichen Grenzen definiert wird. Unsere persönliche Grenze ist wie eine zweite, unsichtbare Haut, die uns umgibt. Sie weitet den durch unseren Körper definierten Raum aus. Unsere Grenzen haben drei Funktionen: sie stiften Identität, sie schützen uns vor Übertritten durch Andere und sie sind unser Kontaktpunkt zu Mitmenschen.

Zur Schutzfunktion unserer Grenzen: Am besten erleben wir den Schutz durch unsere Grenzen, wenn dieser Schutz bedroht oder ausser Kraft gesetzt wird. Dies geschieht im Alltag sehr häufig; sei es im überfüllten Zug auf der morgendlichen Fahrt zur Arbeit, an der Kasse beim Lebensmitteleinkauf, wenn der nächstfolgende Einkaufswagen in die Kniekehle geschoben wird oder im Kino, wenn die Armlehne schon vom Sitznachbarn besetzt ist.. Alles Situationen, wo physische Grenzüberschreitungen aufgrund von äusser­lichen Gegebenheiten auftreten. Das heisst, wir sind nicht vollumfänglich selbstverantwortlich für diese Art von Grenzüberschreitung.

Eine zweite Art der Grenzverletzung ist die nicht-körperliche Grenzüberschreitung. Weil sie nicht räumlicher Natur ist, ist sie oft subtiler und dadurch weniger schnell wahrnehmbar. Psychische Grenzüber­schreitungen können auftreten, wenn von uns zu viel gefordert wird oder wenn wir zu aufopfernd Dienste erbringen. Solche Situationen können sich zum Beispiel am Arbeitsplatz zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden, in der Beziehung zwischen zwei Lebenspartnern oder auch in Familien mit Kleinkindern ergeben. Diese Art von Grenzüber­schreitung setzt meist voraus, dass die betroffene Person über weniger gefestigte Grenzen verfügt.  Denn erst die durchlässigen Grenzen führen dazu, dass ein Gegenüber – gewollt oder nicht gewollt – in den eigenen Raum treten kann.

Grenzen sind zentral um unsere Persönlichkeit, unsere Identität und unsere Integrität zu schützen. Ist der Schutz ungenügend, besteht die Gefahr, dass wir uns (für andere Personen) veräussern. Das heisst, wir sind mit unserer Wahrnehmung, mit unseren Gefühlen und Gedanken nicht bei uns, sondern beim Gegenüber. Für unseren eigenen Schutz und unser Bewusstsein ist es also sinnvoll, über gefestigte Grenzen zu verfügen. Weil diese Grenzen immer wieder bedroht werden – und wir uns nicht jeden Tag gleich stark fühlen – sollen die Grenzen von Zeit zu Zeit wieder gefestigt werden.

Dies kann im Alltag (auch unterwegs) mit kurzen Übungen geschehen, wie zum Beispiel dieser hier: Stehen Sie auf und verankern Sie beide Füsse fest im Boden. Machen Sie weiche Knie und spüren einfach mal den festen Stand und den Grund (die Wurzeln) unter Ihren Füssen. Dazu atmen Sie tief ein und spüren Ihrem Atem beim Ausatmen nach, wie er durch den ganzen Körper hinunter bis in die Füsse und schlussendlich in den Boden fliesst. Atmen Sie so weiter während drei Minuten. Diese Grounding-Übung dient der Festigung des ‚Bodens unter den Füssen‘ und unterstützt Sie beim Aufbau Ihrer Grenzen. Alternativ können Sie auch im Stehen Ihren ganzen Körper mit beiden Händen leicht abklopfen. Nehmen Sie dabei Ihren Körper gezielt war, in dem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Regionen richten, die Sie gerade abklopfen und fügen Sie so Ihren Körper Stück um Stück zu einem Ganzen zusammen. Diese Präsenzübung bringt Sie in das ‚Hier und Jetzt‘ und fördert den Selbst-Kontakt; beides bedeutende Elemente zur Festigung Ihrer Grenzen.

Somit sind Sie wieder gewappnet für die nächsten Angriffe auf Ihre Grenzen…

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