Identitätsfindung im mittleren Erwachsenenalter

Sie haben Einfluss, Macht und Verantwortung auf familiärer, beruflicher und gesellschaftlicher Ebene. Sie haben schon vieles erlebt, ausprobiert und erreicht. Sie sind zwischen 40 und 50 Jahre alt und werden sich der Grenzen der eigenen körperlichen und kognitiven Ressourcen bewusst. Und Sie fragen sich, was Sie in den kommenden Jahren noch erleben möchten; wohin die Lebensreise noch führen soll…

Zwischen 40 und 50 ist der Mensch konfrontiert mit wechselnden Lebensumständen und neuen Lebensaufgaben. Im familiären Bereich sind die erwachsen werdenden Kinder auf Unterstützung der Eltern angewiesen; ebenso benötigen die älter werdenden Eltern Hilfe der mittleren Generation. Im Beruf stehen Konsolidierung der ersten oder Planung der zweiten Karriere an.

Der grosse Wandel in dieser Lebensphase ist ideale Ausgangslage für eine erneute Identitätsfindung. Im mittleren Erwachsenenalter ist der Prozess der Identitätsfindung ein nach Innen gerichteter Prozess, ein Prozess der Reflexion und Haltung. Dies ganz im Gegensatz zur Identitätsfindung in der Pubertät, in welcher die Verortung der eigenen Persönlichkeit in der Gesellschaft, ein nach Aussen gerichteter Vorgang darstellt (der mit Pauken und Trompeten über die Bühne geht). Kernaufgaben der Identitätsfindung im mittleren Erwachsenenalter sind die Bilanzierung des bisherig Erreichten, die Versöhnung damit und die Neuausrichtung für die verbleibenden Jahre.

Dafür können folgende Faktoren in Relation zu einander gesetzt werden: das bisherig Gelebte/Erreichte mit den ursprünglichen Lebensplänen und die bisherigen Bemühungen mit den eigenen Bedürfnissen. Fällt die Bilanzsumme ungünstig aus, ist eine Versöhnung mit dem bisherig Erreichten notwendig; z.B. „Es ist ganz gut so, auch wenn es anders geplant war.“, oder „ich habe mein Bestes gegeben.“

Das Ziel der Neuorientierung ist letztendlich den neuen Lebenssinn zu identifizieren und im zufriedenstellenden Ausmass danach zu leben. Die Chance in diesem Prozess liegt darin, dass Sie die neugewonnenen, altersgerechten Qualitäten erkennen und nutzen. Zu diesen gehören: der grössere Erfahrungshorizont, der Zuwachs an Gelassenheit und die Ausgeglichenheit. Gelingt dies nicht, droht eine Stagnation in der Lebensplanung und mit zunehmendem Alter wird der Fokus immer stärker auf der eigenen Endlichkeit und der geringer werdenden Ressourcen liegen.

Ein Coaching bietet professionelle Unterstützung bei der Reflexion über das bisherig Erreichte und hilft bei der Klärung der Neuausrichtung; der Erlangung von Selbstwirksamkeit und der Handlungsaktivierung.

Buchtipp: Perrig-Chiello, P. (2011). In der Lebensmitte. Die Entdeckung der mittleren Lebensjahre. Zürich, NZZ libro. Bei books.ch kaufen
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