Der effektive Weg zum neuen Handlungsmuster

Immer wieder werde ich gefragt, wie alte Handlungsmuster effektiv durchbrochen und durch neue ersetzt werden können, und was Coaching dazu beitragen kann.

Unser Gehirn ist plastisch und damit lernfähig oder wie es Neurowissenschaftler ausdrücken: „Cells that fire together, wire together.“ Will heissen, wenn unsere Nervenzellen mittels ihren Synapsen neue Verbindungen eingehen – und diese Erfahrung häufig wiederholen – entstehen über Zeit neue verstärkte Verbindungen, was Informationsübertragungen verbessert und letztendlich zu neuen Handlungsmustern führen kann.

Neue Handlungsmuster zu entwickeln heisst auch zielwirksames Handeln zu entwickeln; denn, unser Handeln soll uns den selbst gesetzten Zielen näher bringen.  Auf dem Grund­­satz des plastischen Gehirns und des Lernens durch Erfahrung, entstand im  ZRM (Zürcher Ressourcen Modell*) eine sehr hilfreiche Strategie für zielwirksames Handeln.

Zielwirksames Handeln wird beeinflusst vom Herausforderungsgrad einer Situation. Dazu wurden im ZRM die ABC-Situationstypen geschaffen. Sie stellen Situationen mit unterschiedlichem Herausforderungs­grad dar. Dabei steht die A-Situation für den kleinsten und die C-Situation für den grössten Herausforde­rungsgrad. Je höher der Herausforderungsgrad – und damit die erlebte ‚Temperatur‘ einer Situation – desto eher setzt das ungewollte, alte Handlungsmuster und somit ein nicht zielwirksames Handeln ein (siehe Abbildung).

ABC-Situationstypen

Situationstyp A „Könnens-Bereich“: Situationen, in welchen Sie bereits heute nahezu selbst­ver­ständl­ich, zielwirksames Handeln an den Tag legen.

Diese Situationen sind typischerweise in Ihrer Komfortzone angesiedelt; also dort wo Sie sich bereits wohl fühlen. Sehr oft in der eigenen (Ursprungs-)Familie. Das Gute und Wichtige daran: Für jedes erwünschte, ‚neue‘ Handlungsmuster gibt es bereits einen Könnens-Bereich; also einen Bereich, in welchem Sie die Zielhandlung bereits heute wirksam umsetzen. Dies ist ein wertvoller Ort für Sie; denn hier funktioniert etwas, was sonst nicht funktioniert. Es lohnt sich also zu reflektieren, welche Eigenschaften und Kompetenzen von Ihrer Seite her zum Einsatz gelangen. Hier liegen Ihre Ressourcen für das weitere Umsetzen.

Situationstyp B „Trainings-Bereich“: Vorhersehbare Situationen, in welchen Sie gerne Ihr neues Hand­­lungsmuster, bzw. zielwirksames Handeln anwenden möchten, Sie sich aber bislang noch nicht dazu imstande sahen.

Die Temperatur steigt. Diese Situationen liegen nicht mehr so eindeutig in Ihrer Komfortzone. Sie können zum Beispiel im Geschäft angesiedelt sein: Ein Vorgesetzter, zu dem Sie einfach nicht so richtig den Draht finden; oder ein Peer, der immer wieder Ihre Grenzen überschreitet. Sie sehen diese Situationen kommen, Ihr Handlungsmuster-Alarm verpasst jedoch den richtigen Zeitpunkt und Sie verharren im alten, nicht zielwirksamen Handlungsmuster. Zwei Dinge gibt es zu tun: Erstens, zurück zum Situationstyp A und bewusstwerden, welche eigenen Ressourcen Ihnen in der einfacheren A-Situation zum Erfolg verhelfen. Zweitens, kleinere Alltags-Situationen mit dem Vorgesetzten oder dem Peer bewusst auswählen und sie geplant angehen. Das heisst, Sie setzen den Handlungsmuster-Alarm zeitlich vor der Situation, gehen bewusst in Ihre Ressourcen und gehen so gestärkt in die selbst herbeigeführte Situation. Hier bewegen Sie sich im Trainings-Bereich. Kleinere Situationen, mit überschaubarem Risiko eignen sich für das Training besonders gut. Nehmen wir mal an, dass Abgrenzung Ihr Thema ist. Sie gehen also bewusst in das nächste Projekt-Meeting mit dem zuvor genannten Peer, stehen für Ihre Meinung ein oder übernehmen keine Zusatzaufgaben, oder grenzen sich auf eine andere Art und Weise ab. Und dann beobachten Sie was geschieht… Wiederholen Sie dieses Prozedere 1x wöchentlich.

Situationstyp C „Risiko-Bereich“: Unvorhersehbare Situationen, in welchen Sie gerne Ihr neues Handlungsmuster, also zielwirksames Handeln, anwenden möchten, Sie sich aber mit grosser Regelmässigkeit erst im Nachhinein dessen bewusst werden.

Die Höchsttemperatur ist erreicht! Unvorhersehbare Situationen mit viel Ladung und ganz wenig Handlungsmuster-Alarm. Typischerweise mit Menschen, die bei Ihnen bewusst oder unbewusst ganz viel auslösen und das immer wieder. Dieser Situationstyp entspricht der Königsklasse und ist nur mit erfolgreich absolviertem A- und B-Level zu meistern. Das heisst, ganz viele Ressourcen aus den A-Situationen mobilisieren sowie regelmässiges Training und entsprechende Bewusstwerdung in B-Situationen. Zusätzlich benötigt es Planung; die unvorhersehbare Situation soll zumindest in Ihrer Reaktion vorhersehbar gemacht werden. Denn Ihre Reaktion im Moment einer C-Situation ent­spricht in aller Regel  einem eingeübten Reflex („Ich sage ja zu Mehrarbeit.“, „Ich will es allen Recht machen.“ etc.). Taucht eine solche Situation unvorhergesehen auf, halten Sie eine neue, zielwirksame Reaktion – die Sie zuvor mehrfach eingeübt haben – bereit und setzen Sie sie ein. Dieser eingeübten Reaktion geben Sie ein Gesicht (im übertragenen Sinne): ein Kraftstein aus dem Garten, ein post-it am PC-Bildschirm usw.

In einem Coaching werden Gründe für unerwünschte Handlungsmuster beleuchtet, neue Handlungsoptionen erarbeitet und die notwendigen Ressourcen für effektives, zielwirksames Han­deln aktiviert.

*Das Zürcher Ressourcen Modell „ZRM®“ wurde von Dr. Maja Storch und Dr. Frank Krause für die Universität Zürich entwickelt.
Zurück zur Übersicht